Hellbezugswert und Kontrast: Hebt sich das Schild von der Wand ab?
Der Hellbezugswert macht Kontrast messbar. Dieser Ratgeber erklärt, wie er entsteht, wie Sie den Unterschied zwischen Schild und Wand berechnen, was DIN 32975 zum Leuchtdichtekontrast sagt und wie Sie den Kontrast vor Ort prüfen.
Kontrast entscheidet, ob ein Schild gesehen wird. Er muss an zwei Stellen stimmen: zwischen dem Schild und seinem Untergrund und zwischen Schrift oder Bild und dem Schildgrund. Der Hellbezugswert macht diesen Unterschied messbar. Dieser Ratgeber erklärt, was der Wert bedeutet, wie Sie damit rechnen und wie Sie das Ergebnis vor Ort prüfen.
Was ist der Hellbezugswert?#
Der Hellbezugswert (englisch Light Reflectance Value, LRV) gibt an, wie viel sichtbares Licht eine Oberfläche zurückwirft, auf einer Skala von 0 (absolutes Schwarz) bis 100 (ideales Weiß). Die dunkelsten üblichen Baustoffe liegen etwa bei 5 bis 10, die hellsten bei etwa 85 bis 90. Gemessen wird mit einem Spektralfotometer unter genormter Beleuchtung; Farbhersteller geben den Wert für ihre Farbtöne meist an. Der Hellbezugswert sagt nichts über den Farbton: Ein dunkles Blau und ein dunkles Grün können nahezu denselben Wert haben, obwohl sie verschieden aussehen. Genau deshalb heben sie sich voneinander kaum ab.
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Faustregel: 30 Punkte Unterschied#
In der Planungspraxis gilt ein Unterschied von mindestens 30 Punkten im Hellbezugswert als Untergrenze für Flächen, die sich klar voneinander abheben sollen; 40 Punkte und mehr geben Reserve, etwa für Menschen, die Kontraste schlechter wahrnehmen. Bei einem Schild betrifft das drei Paare: die Schildfläche gegenüber der Wand, damit das Schild als Gegenstand auffällt; Schrift und Bild gegenüber dem Schildgrund, damit der Inhalt lesbar ist; und ein Rahmen, falls vorhanden, gegenüber Schildfläche und Wand.
Rechenbeispiele (gerundete Beispielwerte):
- Weiße Schildfläche (etwa 85) auf mittelblauer Wand (etwa 35): 50 Punkte Unterschied, deutlich.
- Weiße Schildfläche (etwa 85) auf cremefarbener Wand (etwa 75): 10 Punkte, zu wenig.
- Dunkler Holzton (etwa 20) auf cremefarbener Wand (etwa 75): 55 Punkte, deutlich.
- Mittelgraues Schild (etwa 45) auf hellgrauer Wand (etwa 60): 15 Punkte, zu wenig.
- Dunkle Schrift (etwa 10) auf weißem Schildgrund (etwa 85): 75 Punkte, deutlich.
Was DIN 32975 zum Kontrast sagt#
Die Norm DIN 32975:2009-12 „Gestaltung visueller Informationen im öffentlichen Raum zur barrierefreien Nutzung“ rechnet nicht mit der Differenz von Hellbezugswerten, sondern mit dem Leuchtdichtekontrast nach Michelson: K = (L1 − L2) / (L1 + L2). Für Leit- und Orientierungselemente nennt sie einen Mindestkontrast von 0,4; für Schrift und Warnungen setzt sie höhere Mindestwerte an, die Sie dem Normtext entnehmen. Außerdem soll die hellere Fläche einen Reflexionsgrad von mindestens 0,5 haben. Unter gleicher Beleuchtung lässt sich der Kontrast näherungsweise aus den Hellbezugswerten berechnen. Für das erste Beispiel oben, Schild gegen Wand: (85 − 35) / (85 + 35) ≈ 0,42. Für Weiß auf Creme: (85 − 75) / (85 + 75) ≈ 0,06. Für Schrift auf dem Schild zählt der höhere Mindestwert der Norm.
DIN 32975 ist nicht automatisch verbindlich: Wo Ihr Bundesland sie nicht als Technische Baubestimmung eingeführt hat, gilt sie nur, wenn sie vereinbart wird, etwa im Bauvertrag oder im Leistungsverzeichnis. Einzelheiten dazu im Ratgeber Beschilderung im Pflegeheim nach DIN 18040 und DIN 32975. In Österreich und der Schweiz gelten andere Regelwerke, siehe ÖNORM B 1600 und OIB-Richtlinie 4 und SIA 500 im Alters- und Pflegeheim.
Hellbezugswerte ermitteln und prüfen#
Genau messen lässt sich der Hellbezugswert mit einem Hand-Spektralfotometer. Für die Planung genügen meist die Angaben der Farbhersteller: Wählen Sie für Wände, an denen Schilder hängen, einen Farbton, dessen Wert sich um mindestens 30 Punkte von der Schildfläche unterscheidet. Fehlen genaue Werte, hilft das Schwarzweißfoto als grobe Probe: Fotografieren Sie das Schild an der Wand in Graustufen. Ist der Rand des Schildes klar zu erkennen, ist der Kontrast wahrscheinlich ausreichend.
Profi-Tipp
Fragen Sie vor der Bestellung der Schilder beim Hersteller Ihrer Wandfarbe nach dem Hellbezugswert. Dann lässt sich die passende Schildausführung von Anfang an wählen, und Sie vermeiden, dass später gestrichen oder ein Schild ersetzt werden muss.
Farbe ersetzt keinen Helligkeitsunterschied
Ein rotes Schild mit grüner Schrift kann bunt wirken und trotzdem kaum Kontrast bieten. Entscheidend ist, ob sich die Flächen in der Helligkeit unterscheiden, nicht ob sie für Sie verschieden aussehen.
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Der Hellbezugswert ist die gemeinsame Sprache für Kontrast. Wer mit Zahlen statt mit Eindrücken plant, kann vor dem Streichen und vor dem Bestellen sagen, ob ein Schild an seiner Wand sichtbar sein wird.
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