Signage for Care

Beschilderung im Pflegeheim: Was DIN 18040 und DIN 32975 vorgeben

8 Min. LesezeitSignage for Care5. November 2026

Wer Türschilder und Wegweiser für ein Pflegeheim plant, stößt schnell auf drei Normen: DIN 18040, DIN 32975 und DIN 32986. Dieser Ratgeber erklärt, was jede davon regelt, wann sie verbindlich ist und wie Sie die Anforderungen in eine Ausschreibung übersetzen.

Ein Pflegeheim ist für viele Menschen zugleich Wohnung, Arbeitsplatz und Ort für Besuch. Die Beschilderung muss also für Bewohnerinnen und Bewohner, für Angehörige und für Mitarbeitende lesbar sein, auch für Menschen, die schlecht sehen. Drei deutsche Normen beschreiben, wie das gelingt: DIN 18040 für das barrierefreie Bauen, DIN 32975 für visuelle Information und DIN 32986 für taktile Schrift. Dieser Ratgeber fasst zusammen, was sie vorgeben, und zeigt, wie Sie daraus eine klare Vorgabe für Türschilder und Wegweiser machen.

Vorab

Die Normtexte sind kostenpflichtig und bei DIN Media erhältlich. Wir zitieren jeweils Ausgabe und Abschnitt und verweisen auf öffentlich zugängliche Beschreibungen. Für eine Planung oder Ausschreibung zählt allein der Normtext in der vereinbarten Ausgabe.

DIN 18040: der Rahmen für barrierefreies Bauen#

DIN 18040 „Barrierefreies Bauen – Planungsgrundlagen“ hat drei Teile. Teil 1 (Ausgabe 2010-10) gilt für öffentlich zugängliche Gebäude, Teil 2 (Ausgabe 2011-09) für Wohnungen und die Gebäude, in denen sie liegen, Teil 3 für den öffentlichen Verkehrs- und Freiraum. Für ein Pflegeheim kommen meist Teil 1 und Teil 2 in Betracht: Teil 1 für Eingang, Empfang, Speisesaal, Verwaltung und alles, was Besuch betritt; Teil 2 für Bereiche, die wie Wohnungen genutzt werden. Welcher Teil für welchen Bereich gilt, ergibt sich aus der Landesbauordnung und der Baugenehmigung.

Für die Beschilderung ist in beiden Teilen der Abschnitt 4.4 „Warnen/Orientieren/Informieren/Leiten“ maßgeblich. Sein Kern ist das Zwei-Sinne-Prinzip: Informationen, die der Orientierung dienen, sollen über mindestens zwei der drei Sinne Sehen, Hören und Tasten erfassbar sein. Für die visuelle Gestaltung verweist DIN 18040 auf DIN 32975. Für taktile Schrift ist heute DIN 32986 die maßgebliche Norm; sie erschien erst nach DIN 18040-1 und -2.

Verbindlich wird DIN 18040 über die Länder#

Eine DIN-Norm ist zunächst eine Empfehlung. Öffentlich-rechtlich verbindlich wird sie, wenn ein Land sie als Technische Baubestimmung einführt. Das geschieht über die Verwaltungsvorschrift Technische Baubestimmungen (VV TB) des jeweiligen Landes, die auf der Muster-Verwaltungsvorschrift (MVV TB) des Deutschen Instituts für Bautechnik beruht. Die Länder führen DIN 18040-1 und DIN 18040-2 dort zum Teil mit Einschränkungen oder Abweichungen ein. Welche Abschnitte in Ihrem Land gelten, steht in der VV TB Ihres Landes.

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DIN 32975: Kontrast, Beleuchtung und Schriftgröße#

DIN 32975:2009-12 „Gestaltung visueller Informationen im öffentlichen Raum zur barrierefreien Nutzung“ ist die Norm, auf die es bei Schildern am meisten ankommt. Sie beschreibt, wie Schrift, Zeichen und Markierungen auch für Menschen mit eingeschränktem Sehvermögen erkennbar bleiben. Drei Punkte sind für Türschilder und Wegweiser entscheidend.

1. Leuchtdichtekontrast vor Farbe#

DIN 32975 misst Kontrast als Leuchtdichtekontrast nach Michelson: K = (L1 − L2) / (L1 + L2), also der Unterschied der Helligkeit zwischen Zeichen und Untergrund. Für Leit- und Orientierungselemente nennt die Norm einen Mindestkontrast von 0,4; für Schrift und Warnungen setzt sie einen höheren Mindestwert an, den Sie dem Normtext entnehmen. Für Türschilder und Wegweiser mit Schrift zählt also der Wert für Schrift. Außerdem soll die hellere der beiden Flächen einen Reflexionsgrad von mindestens 0,5 haben. Farbe kann eine Information unterstützen, einen zu geringen Leuchtdichtekontrast aber nicht ersetzen. Ein rotes Schild mit grüner Schrift kann farbig auffallen und trotzdem kaum Helligkeitsunterschied bieten.

Profi-Tipp

Für die Ausschreibung: Verlangen Sie für jede Farbkombination aus Schrift und Grund den Hellbezugswert oder Reflexionsgrad beider Flächen und den daraus berechneten Kontrast K.

Wie Hellbezugswerte (LRV) zustande kommen und warum sie wichtiger sind als der Farbton, erklärt unser Ratgeber Kontrast und LRV. Für die Gestaltung von Fluren und Türen hilft Farbkontrast im demenzgerechten Bauen.

2. Beleuchtung und Blendung#

Ein Kontrast wirkt nur unter Licht. DIN 32975 behandelt deshalb auch die Beleuchtung visueller Informationen und die Vermeidung von Blendung und Spiegelung. Für ein Pflegeheim heißt das praktisch: Schilder nicht gegen ein Fenster oder unter einen Lichtpunkt setzen, der sich auf der Oberfläche spiegelt, und matte Oberflächen bevorzugen. Prüfen Sie den Kontrast dort, wo das Schild hängt, bei Tages- und bei Kunstlicht. Mehr dazu im Ratgeber Beleuchtung und Orientierung.

3. Schriftgröße nach Leseabstand#

DIN 32975 bemisst die Schriftgröße nicht pauschal, sondern nach der Entfernung, aus der ein Text gelesen werden soll. Ein Türschild, das man aus einem oder zwei Metern liest, braucht eine andere Schrifthöhe als ein Wegweiser über einem langen Flur. Die Norm nennt dazu Mindestwerte je Leseabstand und gibt Hinweise zu gut lesbaren Schriftarten sowie zu Zeichen- und Zeilenabständen. Für die Planung bedeutet das: Legen Sie für jeden Schildtyp zuerst den Leseabstand fest und leiten Sie daraus die Schrifthöhe nach der Tabelle der Norm ab.

DIN 32986: taktile Schrift#

DIN 32986 „Taktile Schriften und Beschriftungen – Anforderungen an die Darstellung und Anbringung von Braille- und erhabener Profilschrift“ (erstmals erschienen 2015-01) regelt, wie ertastbare Schrift gestaltet und angebracht wird. Eine taktile Beschriftung ist eine Möglichkeit, eine Information an der Tür neben dem Sehen auch über das Tasten zugänglich zu machen. Maßgeblich ist die Ausgabe, die Sie vereinbaren.

Wichtig

Unsere deutsche Website bietet derzeit keine deutsche Brailleschrift an. Wenn Ihre Planung Braille oder Profilschrift nach DIN 32986 vorsieht, klären Sie das vor der Bestellung mit uns oder mit einem darauf spezialisierten Hersteller.

Mehr zu taktilen Schildern allgemein finden Sie im Ratgeber Braille und taktile Beschilderung.

Wann ist DIN 32975 verbindlich?#

Ein Punkt wird oft übersehen: Dass DIN 18040 auf DIN 32975 verweist, macht DIN 32975 nicht automatisch öffentlich-rechtlich verbindlich. Ob und wie weit die in DIN 18040 genannten Normen mit eingeführt sind, steht in der VV TB Ihres Landes. Wo das nicht der Fall ist, gilt DIN 32975 nur, wenn sie vereinbart wird, etwa im Planungs- oder Bauvertrag oder im Leistungsverzeichnis. Wenn Sie die Werte von DIN 32975 wollen, schreiben Sie die Norm deshalb mit Ausgabe hinein.

So schreiben Sie Türschilder und Wegweiser aus#

Statt „DIN-konform“ in ein Leistungsverzeichnis zu schreiben, beschreiben Sie, was Sie prüfen wollen. Das ist für Anbieter eindeutig und für Sie nachprüfbar.

Türschilder (zum Beispiel Schlafzimmer, Toilette, Badezimmer, Speisesaal):

  • Format und Montage: zum Beispiel Türschild 228 x 228 mm, neben der Tür auf der Schlossseite, Montagehöhe nach Planung.
  • Leseabstand festlegen (zum Beispiel 1 bis 2 m) und die Schrifthöhe nach DIN 32975:2009-12 daraus ableiten.
  • Leuchtdichtekontrast K zwischen Schrift und Grund nach DIN 32975:2009-12 angeben, mit Reflexionsgrad oder Hellbezugswert beider Flächen.
  • Piktogramm und Raumname gemeinsam, damit das Schild nicht nur über das Wort verstanden wird.
  • Matte, blendarme Oberfläche.
  • Falls taktile Schrift verlangt ist: Profilschrift und gegebenenfalls Braille nach DIN 32986, mit Angabe der Ausgabe.

Wegweiser und Orientierungsschilder (Flure, Kreuzungen, Aufzug, Treppe, Ausgang):

  • Format: zum Beispiel Wegweiser 500 x 105 mm an der Wand oder Fahnenschild, das von der Wand absteht und den Flur entlang schon von Weitem lesbar ist.
  • Längsten Leseabstand je Standort festlegen und die Schrifthöhe nach DIN 32975:2009-12 bemessen.
  • Leuchtdichtekontrast K zwischen Schrift und Grund nach DIN 32975:2009-12 angeben; für Schrift gilt der Mindestwert für Schrift, nicht der niedrigere für Leitelemente.
  • Einheitliche Begriffe und Pfeile über das ganze Haus, an jeder Entscheidungsstelle.
  • Zwei-Sinne-Prinzip nach DIN 18040-1:2010-10, Abschnitt 4.4: angeben, welche zweite Wahrnehmungsart die Information ergänzt (taktil oder akustisch).

Für die Platzierung im Flur hilft unser Ratgeber Wegweiser in Pflegeeinrichtungen; ob ein Türschild oder ein Fahnenschild besser passt, erklärt Türschild oder Fahnenschild. Zu Schrift und Lesbarkeit für Menschen mit Demenz lesen Sie Typografie und Lesbarkeit.

Was eine Norm nicht abdeckt#

DIN 18040 und DIN 32975 sind für Menschen mit Seh-, Hör- und Mobilitätseinschränkungen geschrieben, nicht speziell für Menschen mit Demenz. Für einen Wohnbereich für Menschen mit Demenz kommen weitere Überlegungen dazu: vertraute Begriffe statt Fachwörtern, ein Piktogramm, das den Raum zeigt, Schilder dort, wo der Blick tatsächlich hinfällt. Ein Produkt unseres Sortiments, das Toilettenschild in acht Farben, steht seit 2018 mit 1A im Verzeichnis akkreditierter Produkte des Dementia Services Development Centre (DSDC, Universität Stirling); das ist eine Akkreditierung dieses Zentrums und keine Aussage über eine DIN-Norm. Einen Überblick über Leitlinien in anderen Ländern gibt Internationale Standards für demenzgerechtes Bauen.

Im Konfigurator wählen Sie Raumname, Piktogramm und eine von acht Farben (Eiche, Nussbaum, Weißkiefer, Carolinablau, Granatrot, Heidelila, Salbeibraun, Viridiangrün) und sehen das Schild vor der Bestellung. Die fertigen Sortimente finden Sie in unserem Katalog. Prüfen Sie den Kontrast der gewählten Kombination gegen die Werte, die Ihre Planung vorgibt.

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