Demenzgerecht bauen und gestalten: Ansätze im internationalen Vergleich
Produktbewertung, Begehung der ganzen Umgebung, kleine Wohngruppen: Demenzgerechte Gestaltung wird in jedem Land anders gedacht. Ein Überblick und die Grundsätze, die alle Ansätze teilen.
Lebensräume für Menschen mit Demenz verständlich zu gestalten, ist ein gemeinsames Anliegen, doch Rahmen und Methoden unterscheiden sich von Land zu Land. Der Vergleich hilft einem Pflegeheim zu sehen, worauf jeder Ansatz schaut und was er auslässt.
Großbritannien: Bewertung von Produkten#
In Großbritannien bewertet das Dementia Services Development Centre (DSDC) der Universität Stirling in Schottland Produkte anhand eigener Gestaltungsgrundsätze und veröffentlicht ein Verzeichnis akkreditierter Produkte. Der Ansatz richtet sich auf den Gegenstand: ein Schild, ein Bodenbelag, ein Möbelstück, jeweils für sich bewertet. Was eine DSDC-Akkreditierung bedeutet, erklären wir in einem eigenen Beitrag.
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Australien: Begehung der ganzen Umgebung#
In Australien liegt der Schwerpunkt auf der Bewertung der Umgebung als Ganzes statt Produkt für Produkt: Prüfraster erlauben es, ein Haus zu begehen und festzuhalten, was die Orientierung, den Zugang zum Garten oder die Verständlichkeit der Räume unterstützt oder erschwert. Bewertet wird der Ort, nicht das Schild.
Die wichtigsten Ansätze im Überblick:
- Großbritannien: Bewertung und Akkreditierung von Produkten durch das DSDC in Stirling
- Australien: Prüfwerkzeuge für die gesamte Umgebung
- Skandinavien: kleine, häusliche Wohneinheiten mit Einzelzimmern
- Niederlande: das „Demenzdorf“ De Hogeweyk, gegliedert in Häuser und Straßen
- Japan: natürliche Materialien, Gartenbezug und Übergangsräume zwischen innen und außen
- Nordamerika: allgemeine Barrierefreiheitsregeln, ergänzt um Empfehlungen für kognitive Einschränkungen
Skandinavien: kleine Wohneinheiten#
Die skandinavischen Länder haben kleine Einheiten mit wenigen Bewohnern entwickelt, die sich eine Küche und einen Wohnbereich in häuslicher Größe teilen; die Zimmer öffnen sich direkt zum gemeinsamen Raum. Ein so kleiner Ort ist fast auf einen Blick zu erfassen und braucht weniger Schilder. Sobald aber mehrere Einheiten in einem Gebäude verbunden sind, müssen die Übergänge zwischen ihnen wieder gekennzeichnet werden, für Personal, Besucher und Bewohner, die zwischen ihnen unterwegs sind. Im deutschsprachigen Raum stellen Hausgemeinschaften und Wohngruppen dieselbe Frage in ihrem Maßstab.
Was alle Ansätze teilen
deutlicher visueller Kontrast, realistische Bilder, eine einheitliche Gestaltung im ganzen Haus, Räume in menschlichem Maßstab, Tageslicht und so wenig Anstaltscharakter wie möglich.
Profi-Tipp
Wird Ihnen ein Produkt als „akkreditiert“ angeboten, fragen Sie, welche Stelle es bewertet hat, welches Produkt das Zertifikat genau nennt und welches Datum es trägt. Eine Akkreditierung gehört zu einem Produkt, nicht zu einem Unternehmen.
Unsere Schilder benennen jeden Raum ausgeschrieben und mit einem realistischen Piktogramm, kontrastreich und im ganzen Haus einheitlich. Ein Produkt unseres Sortiments, das Toilettenschild, steht seit 2018 mit 1A im Verzeichnis akkreditierter Produkte des DSDC; fragen Sie uns nach dem Zertifikat.
Keinen dieser Ansätze sollte man einfach kopieren. Zusammen betrachtet erinnern sie aber daran, dass Produkt, Umgebung und Organisation der Wohneinheiten sich ergänzen: Ein gutes Schild in einem unübersichtlichen Gebäude reicht nicht, und ein gut geplantes Gebäude muss trotzdem beschildert werden.
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