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Demenzstrategie Österreich: Was sie für die Gestaltung im Pflegeheim bedeutet

8 Min. LesezeitSignage for Care5. November 2026

Die österreichische Demenzstrategie „Gut leben mit Demenz“ ist kein Gesetz, sondern ein gemeinsamer Rahmen. Einige ihrer Wirkungsziele und Handlungsempfehlungen sprechen die Wohnumgebung im Pflegeheim ausdrücklich an. Wir zitieren sie mit Fundstelle und zeigen, wie Sie die Beschilderung eines Pflegeheims oder Seniorenwohnhauses praktisch planen.

Wer in Österreich ein Pflegeheim, ein Seniorenwohnhaus oder eine Wohngruppe für Menschen mit Demenz umbaut oder neu einrichtet, begegnet früher oder später der österreichischen Demenzstrategie „Gut leben mit Demenz“. Sie taucht in Konzepten, Förderanträgen und Leitbildern auf; was genau darin steht, ist weniger bekannt. Dieser Artikel zeigt, welche Teile der Strategie die Wohnumgebung betreffen, was sie wörtlich sagen und was nicht, und wie Sie daraus eine nüchterne Planung für Orientierung und Beschilderung in Ihrem Haus ableiten.

Hinweis

Dieser Artikel ist ein Überblick, keine Rechts- oder Planungsberatung. Die Demenzstrategie ist eine Empfehlung, keine Rechtsvorschrift. Was für Ihr Haus verbindlich ist, regeln das Bau- und das Heimrecht Ihres Bundeslandes. Alle Fundstellen stehen am Ende des Artikels.

Was die Demenzstrategie ist#

Die Demenzstrategie „Gut leben mit Demenz“ wurde 2015 erarbeitet; die Gesundheit Österreich GmbH (GÖG) war mit der Begleitung des Prozesses beauftragt. Laut Einleitung des Strategiepapiers erarbeiteten sechs Arbeitsgruppen von März bis Oktober 2015 in 18 Workshops Wirkungsziele und Handlungsempfehlungen (S. 9); beteiligt waren Betroffene, Entscheidungsträger, Umsetzende sowie Expertinnen und Experten (Executive Summary, S. 3). Das Ergebnis umfasst nach Angabe des Sozialministeriums sieben Wirkungsziele und 21 Handlungsempfehlungen.

Wichtig für die Einordnung: Die Strategie versteht sich als „gemeinsamer Orientierungsrahmen für eine zielgerichtete Kooperation zwischen den Stakeholdern“ (Einleitung, S. 9). Die Handlungsempfehlungen sollen es Bund, Ländern und Gemeinden ermöglichen, in ihren jeweiligen Wirkungsbereichen konkrete Maßnahmen zu planen (Executive Summary, S. 3). Für die Umsetzung wurde 2016 die Plattform Demenzstrategie gegründet; den Umsetzungsprozess begleitet und koordiniert die GÖG im Auftrag des Sozialministeriums (BMASGPK). Auf demenzstrategie.at finden Sie die Wirkungsziele, die Handlungsempfehlungen und die Umsetzungen in den Bundesländern.

Eine Pflicht für einzelne Heime ergibt sich daraus nicht. Wer sich in einem Konzept auf die Strategie beruft, sollte deshalb genau sagen, auf welches Wirkungsziel und welche Handlungsempfehlung, und nicht pauschal behaupten, ein Haus oder ein Produkt „setze die Demenzstrategie um“.

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Die Stellen, die das Wohnumfeld betreffen#

Die meisten Handlungsempfehlungen betreffen Information, Ausbildung, Versorgungsstrukturen und Forschung. Drei Stellen sprechen die gebaute Umgebung und die Wohnform ausdrücklich an. Wir zitieren sie nach dem Strategiepapier (Ausgabe des Sozialministeriums, Seitenzahlen der PDF-Fassung).

Wirkungsziel 1 „Teilhabe und Selbstbestimmung der Betroffenen sicherstellen“#

Schon die Einleitung zu Wirkungsziel 1 nennt „die demenzsensible Gestaltung des Lebensumfeldes“ als eine Grundlage sozialer Teilhabe (S. 16). Unter den Herausforderungen heißt es, sie sei „wichtige Voraussetzung für weitgehende Selbstbestimmung“ (S. 16). Konkret wird die Handlungsempfehlung 1b „Partizipation/Teilhabe im Lebensumfeld sicherstellen“ (S. 18 f.):

Was Handlungsempfehlung 1b zur Wohnumgebung sagt:

  • Die Wohnumgebung spielt „sowohl im institutionellen (d. h. im Bereich der Pflegeheime und Wohngruppen) als auch im häuslichen Bereich“ eine wichtige Rolle; Ziel ist „die bedarfsgerechte Gestaltung der Lebenssituation durch Inklusion der Betroffenen und ihrer An- und Zugehörigen“.
  • Als Beispiele für ein demenzsensibles Umfeld in der Gemeinde nennt die Empfehlung „überschaubare Fußwege, abgeschrägte Gehsteige, sichtbare Orientierungspunkte wie Kirchen, Bäckerei, Post“.
  • Empfohlen wird die „Entwicklung von Checklisten, die konkretisieren, wie Wohnumgebung (sei es zu Hause oder im institutionellen Bereich) demenzsensibel gestaltet werden kann“, sowie Informations- und Schulungsveranstaltungen, ausdrücklich auch „für Betreiber/innen von Pflegeheimen und Wohngruppen“.
  • Als Ebenen der Umsetzung nennt sie Gemeinden und Städte, unter Einbindung unter anderem von Wohnbauträgern sowie Architektinnen und Architekten.

Wirkungsziel 4 „Rahmenbedingungen einheitlich gestalten“#

Die Handlungsempfehlung 4b „Entwicklung von Qualitätsstandards im Bereich Gesundheit, Soziales, Pflege und Betreuung“ (S. 36) nennt als einen der vorrangigen Schritte das „Entwickeln von Leitlinien, in denen Bedarfe von Menschen mit demenziellen Beeinträchtigungen berücksichtigt werden (z. B. für Pflegeorganisationsformen, Betriebskonzepte bzw. baulichen Umsetzungen in allen Bereichen der Versorgung)“. Die Strategie selbst legt also keine baulichen Standards fest; sie empfiehlt, solche Leitlinien zu entwickeln, und nennt Bund, Länder und Sozialversicherung als Ebenen der Umsetzung.

Wirkungsziel 5 „Demenzgerechte Versorgungsangebote sicherstellen und gestalten“#

Die Handlungsempfehlung 5a „Bestmögliche Langzeitbetreuung von Menschen mit Demenz“ (S. 40 f.) zählt Pflegeheime, Wohngruppen sowie Wohn- und Hausgemeinschaften ausdrücklich zur Langzeitbetreuung. Unter den Bereichen, die ausgebaut werden sollen, steht die „Weiterentwicklung alternativer Wohnformen und der stationären Einrichtungen der Langzeitpflege auf den zu erwartenden Bedarf und die Bedürfnisse von Menschen mit demenziellen Beeinträchtigungen (Personal, Ablauforganisation, Struktur, Raumkonzepte)“. Die Raumkonzepte stehen dort neben Personal und Abläufen, nicht an deren Stelle.

Die Handlungsempfehlung 5b spricht von „Umgebungsfaktoren in Krankenanstalten“; sie betrifft Spitäler, nicht Pflegeheime, und wird hier deshalb nicht weiter behandelt.

Eine Arbeitshilfe für Pflegeheime: „Demenzkompetenz im Pflegeheim“#

Auf demenzstrategie.at ist unter „Materialien – Pflege, Betreuung und Unterstützung“ die Orientierungshilfe „Demenzkompetenz im Pflegeheim“ verlinkt (Rappold und Pfabigan, GÖG 2020, im Auftrag des Sozialministeriums). Sie richtet sich an Führungskräfte. Ihr Kapitel 5 „Demenzgerechte Umgebungsgestaltung und Ausstattung“ gliedert die Umgebung in Barrierefreiheit, eine demenzfreundliche Wohnumgebung, die Abstimmung der Umgebungsbeleuchtung, Privatheit und sozialräumliche Teilhabe sowie das psychosoziale Klima.

Bemerkenswert ist, wie das Kapitel die Gestaltung einordnet: Die Umgebungsgestaltung durch Farben, Licht und Möbel sei von Bedeutung, allein aber nicht ausreichend; zu den wichtigsten Aspekten zähle die Interaktion zwischen Pflegenden und Bewohnerinnen und Bewohnern. Diese Gewichtung übernehmen wir. Beschilderung ist ein Baustein der Umgebung, kein Ersatz für Personal, Abläufe oder Licht.

Was das für die Beschilderung in Ihrem Haus heißt#

Die Strategie nennt „sichtbare Orientierungspunkte“ und empfiehlt Checklisten für eine demenzsensible Wohnumgebung, gibt aber selbst keine Schildgrößen, Farben oder Montagehöhen vor. Die folgenden Schritte sind deshalb Praxis, keine Vorgabe der Strategie. Bauliche Anforderungen wie Kontraste oder Barrierefreiheit regelt in Österreich das Landesrecht; dazu mehr in unserem Ratgeber ÖNORM B 1600 und OIB-Richtlinie 4.

1. Wege gehen, Entscheidungsstellen notieren#

Gehen Sie die Wege, die Bewohnerinnen und Bewohner täglich gehen: vom Zimmer zur Toilette, zum Speisesaal, zum Aufenthaltsraum, zum Lift und hinaus in den Garten. Notieren Sie jede Stelle, an der man sich entscheiden muss: Kreuzungen im Gang, Türen, die gleich aussehen, die Liftvorräume in jedem Stockwerk. Genau dort braucht es eine Information, nicht im ganzen Gang. Eine strukturierte Vorlage finden Sie in unserer Checkliste für die Orientierungsprüfung.

2. Bewohner und Angehörige einbeziehen#

Handlungsempfehlung 1b setzt auf Inklusion der Betroffenen und ihrer An- und Zugehörigen. Für die Beschilderung heißt das ganz praktisch: Fragen Sie, wie Ihre Bewohnerinnen und Bewohner Räume nennen. Heißt es im Haus „Speisesaal“ oder „Esszimmer“, „Aufenthaltsraum“ oder „Stüberl“? Gehen Sie einen Weg gemeinsam und schauen Sie, wo jemand stehen bleibt. Was dabei auffällt, gehört in die Planung.

3. Ein Wort und ein Bild für jeden Raum#

Kennzeichnen Sie Räume mit einem klaren Wort und einem eindeutigen Piktogramm, immer in derselben Form: Toilette, Badezimmer, Dusche, Speisesaal, Wohnzimmer. Verwenden Sie im ganzen Haus dieselben Begriffe. Steht an einer Tür „WC“ und an der nächsten „Toilette“, wirkt das wie zwei verschiedene Dinge. Bei Zimmertüren hilft ein persönliches Merkmal neben dem Namen, etwa ein Foto, das die Person selbst ausgesucht hat.

4. Kontrast zu Tür und Wand#

Ein Schild nützt nur, wenn es sich von seinem Untergrund abhebt. Auf einer dunklen Holztür fällt ein helles Schild auf, auf einer hellen Wand ein dunkles. Prüfen Sie das vor Ort mit einem Muster und bei der Beleuchtung, die tatsächlich herrscht, auch abends. Hintergründe zu Helligkeitskontrast und Lichtreflexionsgrad erklärt unser Ratgeber Kontrast und LRV.

5. Lift und Stockwerke#

In einem mehrstöckigen Seniorenwohnhaus ist der Liftvorraum eine der schwierigsten Stellen: Jedes Stockwerk sieht gleich aus. Benennen Sie beim Aussteigen gut sichtbar, auf welchem Stockwerk und in welchem Wohnbereich man ist, und zeigen Sie die Richtung zu den wichtigsten Zielen. Mehr dazu in unserem Ratgeber Liftvorräume beschildern.

6. Personalräume zurückhaltend kennzeichnen#

Dienstzimmer, Lager oder Technikräume müssen für Mitarbeitende, Ärztinnen und Ärzte sowie Besuchende auffindbar sein, sollen aber nicht zum Ziel für Bewohnerinnen und Bewohner werden. Dafür eignen sich kleinere, dezente Schilder in einer Farbe, die sich weniger stark von der Tür abhebt als die Schilder der Wohnräume.

7. Dokumentieren und regelmäßig nachgehen#

Halten Sie fest, welches Schild wo hängt und warum. Gehen Sie die Wege nach einigen Monaten erneut ab, besonders nach Umzügen innerhalb des Hauses oder nach Umbauten. So bleibt die Beschilderung mit dem Haus aktuell, und Sie können der Heimaufsicht oder dem Träger erklären, wie Sie vorgegangen sind.

Wo unsere Schilder passen#

Signage for Care stellt Schilder für Pflegeeinrichtungen her. Ein Produkt unseres Sortiments, das Toilettenschild in acht Farben, steht seit 2018 mit 1A im Verzeichnis akkreditierter Produkte des Dementia Services Development Centre (DSDC, Universität Stirling); das Zertifikat schicken wir Ihnen gern. Das ist eine Akkreditierung dieses Zentrums. Sie ist weder Teil der österreichischen Demenzstrategie noch eine Bestätigung durch eine österreichische Stelle, und ein Schild allein setzt keine Handlungsempfehlung um.

Unser Sortiment für die oben beschriebenen Schritte:

  • Türschild, 228 x 228 mm: Raumname und Piktogramm, zum Beispiel für Toilette, Badezimmer, Speisesaal oder Wohnzimmer.
  • Personalisiertes Türschild: mit Papiereinlage für Name und Foto an der Zimmertür.
  • Wegweiser (mit Pfeil) und Orientierungsschild (ohne Pfeil), 500 x 105 mm: für Entscheidungsstellen im Gang und im Liftvorraum.
  • Fahnenschild: steht von der Wand ab und ist den Gang entlang schon von Weitem lesbar.
  • Dezentes Schild, 304 x 76 mm: für Personal- und Funktionsbereiche wie das Dienstzimmer.
  • Acht Farben, damit Sie die passende zu Tür und Wand wählen können: Eiche, Nussbaum, Weißkiefer, Carolinablau, Granatrot, Heidelila, Salbeibraun und Viridiangrün.

Im Konfigurator sehen Sie jedes Schild mit Raumname, Piktogramm und Farbe, bevor Sie bestellen; der Lift heißt dort „Aufzug“. Einen Überblick über alle Schildtypen finden Sie in unserem Katalog. Schilder mit deutscher Brailleschrift bieten wir auf unserer deutschsprachigen Website derzeit nicht an; wenn Ihr Projekt taktile Beschriftung verlangt, planen Sie diese gesondert.

Kurz zusammengefasst#

Das Wichtigste:

  • Die Demenzstrategie „Gut leben mit Demenz“ (2015) ist ein gemeinsamer Rahmen mit sieben Wirkungszielen und 21 Handlungsempfehlungen, kein Gesetz.
  • Handlungsempfehlung 1b nennt Pflegeheime und Wohngruppen ausdrücklich und empfiehlt Checklisten für eine demenzsensible Wohnumgebung sowie Schulungen für Betreiberinnen und Betreiber.
  • Handlungsempfehlung 4b empfiehlt Leitlinien, die auch bauliche Umsetzungen berücksichtigen; Handlungsempfehlung 5a nennt Raumkonzepte neben Personal, Ablauforganisation und Struktur.
  • Konkrete bauliche Vorgaben stehen im Landesrecht, nicht in der Strategie.
  • Für die Beschilderung: Wege abgehen, Bewohner einbeziehen, ein Wort und ein Bild je Raum, Kontrast prüfen, Liftvorräume klar benennen, regelmäßig nachgehen.

Quellen#

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