Gestaltung und Pflegealltag: wenn Schilder die Wegfrage beantworten
Wo ist die Toilette, wo mein Zimmer, wo gibt es Essen? In einem schlecht beschilderten Haus beantworten Mitarbeitende diese Fragen den ganzen Tag. Gute Gestaltung ersetzt keine Zuwendung, aber sie kann einen Teil dieser Antworten übernehmen.
Pflegekräfte in Wohnbereichen für Menschen mit Demenz haben viel zu tun: Grundpflege, Medikamente, Dokumentation, Beschäftigung. Für ruhige, persönliche Begegnungen bleibt oft wenig Zeit. Ein Gebäude, das schlecht auf Orientierung ausgelegt ist, kommt noch dazu: Wer die Toilette nicht findet, fragt; wer in das falsche Zimmer geht, muss zurückbegleitet werden; wer im Flur ratlos stehen bleibt, braucht jemanden, der ihn abholt. Jede dieser Situationen ist eine Wegfrage, die ein Mensch beantworten muss, weil das Gebäude es nicht tut.
Die Fragen, die das Gebäude stellt#
Viele Pflegeheime wurden nicht für Menschen mit Demenz geplant. Gleich aussehende Türen, lange Flure ohne Anhaltspunkte und unbeschriftete Räume sind dort Alltag. Was das Gebäude nicht erklärt, erklären die Mitarbeitenden, immer wieder. Eine klare Beschilderung kann nicht jede dieser Situationen auflösen. Sie gibt aber auf die häufigsten Fragen eine Antwort, die jederzeit an derselben Stelle steht.
Was eine durchdachte Gestaltung im Pflegealltag ändert:
- Ein Schild beantwortet dieselbe Frage jedes Mal gleich, die Antwort muss nicht jedes Mal von einer Pflegekraft kommen
- Mitarbeitende haben eine gemeinsame Sprache für Wege: „Folgen Sie dem blauen Schild zum Speisesaal“
- Wegbeschreibungen lassen sich auf etwas Sichtbares beziehen statt auf Erinnerung
- Ein Haus, das seine Räume selbst benennt, ist für neue Mitarbeitende und Aushilfen schneller zu lernen
- Wer die Beschilderung kennt, kann sie bei der Begleitung bewusst einsetzen
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Vom Hinführen zum gemeinsamen Lesen#
Nimmt eine Pflegekraft eine Bewohnerin am Arm und führt sie zum Speisesaal, ist das freundlich gemeint, aber die Bewohnerin folgt nur. Sagt die Pflegekraft dagegen: „Sehen Sie da vorne das Schild zum Speisesaal? Wenn Sie den Schildern folgen, ist er rechts“, dann liest die Bewohnerin den Weg selbst, und die Pflegekraft geht mit. Ob diese zweite Form möglich ist, entscheidet die Umgebung: Ohne Schilder gibt es nichts, worauf man zeigen kann.
Profi-Tipp
Nehmen Sie die Beschilderung in die Einarbeitung neuer Mitarbeitender auf. Wer das Wegeleitsystem vom ersten Tag an kennt, gewöhnt sich an, auf Schilder zu verweisen, statt Bewohnerinnen und Bewohner nur zu begleiten.
Gut zu wissen
Ein Schild ersetzt kein Gespräch. Es übernimmt nur die Auskunft, damit für das Gespräch mehr Raum bleibt.
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Gute Gestaltung ersetzt keine Pflegekräfte. Sie übernimmt eine einfache, sich wiederholende Aufgabe: zu sagen, welcher Raum welcher ist und wo es langgeht. Was kein Schild kann, bleibt bei den Menschen: Wärme, Gespräch, Zuwendung. Eine Beschilderung, die ihre Aufgabe erfüllt, lässt dafür mehr Raum.
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