Ausgänge, Grenzen und Rundwege im Pflegeheim gestalten
Wie Sie mit den Rändern eines Hauses umgehen: welche Türen hervortreten und welche zurücktreten sollten, wie ein beschilderter Rundweg zum Ausgangspunkt zurückführt und wo die rechtlichen Grenzen für Einschränkungen der Bewegungsfreiheit liegen.
Begriffe wie „Weglauftendenz“ oder „Hinlauftendenz“ greifen oft zu kurz: Wer im Haus unterwegs ist, hat häufig ein Ziel, das er nicht benennen oder nicht finden kann. Daraus folgt eine Gestaltungsaufgabe, um die es in diesem Artikel geht: Wer etwas sucht, braucht ein Haus, das die gesuchten Orte erkennbar macht. Und es kommt darauf an, welche Türen das Haus in den Vordergrund stellt.
Welche Tür fällt am meisten auf?#
In sehr vielen Pflegeheimen ist die Haustür die auffälligste Tür im ganzen Gebäude. Sie ist breiter, verglast, hat Tageslicht dahinter und ist die einzige Tür, die jemand bewusst gestaltet hat. Alle anderen Türen, Wohnzimmer, Speisesaal, Toilette, Bewohnerzimmer, haben dieselbe Farbe, dieselbe Größe und kein Schild. Das ist eine Tatsache der Gestaltung, keine Aussage über irgendjemandes Zustand, und es lohnt sich, den eigenen Flur daraufhin abzugehen: Stellen Sie sich dorthin, wo Bewohner stehen, und fragen Sie sich, auf welche Tür Sie zugehen würden, wenn Sie das Kleingedruckte nicht lesen könnten.
So werden die richtigen Türen die auffälligen:
- Jede Toilette deutlich beschildern, mit großen, kontrastreichen Bildzeichen, die schon vom Flur aus zu sehen sind
- An jeder Abzweigung Wegweiser zu den am häufigsten gesuchten Zielen anbringen
- Ausgangstüren zurückhaltend gestalten (rechtlich vorab klären), sichere Ziele dagegen deutlich beschildern
- Rundwege im Haus anlegen, die durch interessante Bereiche führen und zum Ausgangspunkt zurückkehren
- Lohnende Ziele schaffen: eine Café-Ecke, einen Garten, eine Aktivitätenecke, eine Kramkiste mit Dingen zum Stöbern
- Den Bereich vor einem Ausgang selbst zu einem Ziel machen, etwa mit vertrauten Gegenständen oder einem Fenster mit Ausblick
- Bewohnerzimmer mit personalisierten Türschildern und persönlichen Erkennungszeichen leicht auffindbar machen
Das Schild zu diesem Ratgeber
Türschild in Eiche – Ausgang
Das quadratische Schild, das den Raum benennt, mit seinem Piktogramm. Es wird direkt an der Tür angebracht.
228 x 228 mmDSDC-1A-AkkreditierungVon Wayfinders auf Bestellung gefertigt
Sie wissen schon, was auf jedem Schild stehen soll? Schicken Sie uns die Liste über das Bestellformular.
Ausgänge zurücktreten lassen, ohne Barrieren zu bauen#
Der bewährte Ansatz: Ausgangstüren treten optisch zurück, sichere Ziele treten hervor. Eine Ausgangstür in der Farbe der umgebenden Wand wirkt nicht mehr wie ein eigenes Ziel. Die Türen, die genutzt werden sollen, Wohnzimmer, Speisesaal, Garten, bekommen dagegen kontrastierende Farben und deutliche Schilder. Jede Tür lässt sich weiter öffnen, und die Kennzeichnung der Flucht- und Rettungswege bleibt genau so, wie sie ist. Ob eine solche Gestaltung rechtlich als Einschränkung zählt, klären Sie vorab (siehe unten).
Profi-Tipp
Geben Sie dem Weg zu einem Ausgang etwas Eigenes: einen Erinnerungstisch mit vertrauten Gegenständen, ein Aquarium, eine Fensterbank mit Blick in den Garten. Ergänzen Sie das mit einem Wegweiser zurück zu den Gemeinschaftsräumen, damit das Ende des Flurs eine Alternative bietet und nicht nur eine Tür.
Wie legen Sie einen Rundweg an?#
Viele Bewohnerinnen und Bewohner möchten einfach gehen. Ein gestalteter Rundweg im Haus gibt ihnen dafür einen Ort: eine Schleife mit wechselnden Ausblicken, durch die Gemeinschaftsbereiche, vorbei an einigen markanten Gegenständen und zurück zum Ausgangspunkt. Zwei Dinge sind dabei entscheidend: Es muss eine Schleife sein, damit kein Abschnitt in einer Sackgasse endet, und an jeder Abzweigung, die der Weg kreuzt, zeigt ein Schild in Gehrichtung, wie es weitergeht.
Empfohlene Produkte
Erst eine klare, einheitliche Beschilderung macht die Ziele in einem Haus erkennbar. Unsere Türschilder (228 x 228 mm), Wegweiser (500 x 105 mm) und Fahnenschilder sind als eine Familie gedacht, damit Wohnzimmer, Speisesaal, Garten und Toilette genauso leicht zu finden sind wie die Haustür. Sie gibt es unter anderem in Eiche und Nussbaum.
Wo die rechtlichen Grenzen liegen#
Ob eine gestalterische Maßnahme an einer Ausgangstür, etwa eine Tür in Wandfarbe, als freiheitsentziehende oder freiheitsbeschränkende Maßnahme gilt, klären Sie vorab mit Ihrer Leitung, der Bewohnervertretung bzw. dem Betreuungsgericht und der Aufsicht. Jede Maßnahme, die die Bewegungsfreiheit tatsächlich einschränkt, etwa eine verschlossene oder schwer zu öffnende Tür, ist dagegen eine eigene Entscheidung mit eigenen Regeln. In Deutschland bedürfen freiheitsentziehende Maßnahmen bei betreuten Menschen in einer Einrichtung nach § 1831 BGB der Genehmigung des Betreuungsgerichts. In Österreich regelt das Heimaufenthaltsgesetz (HeimAufG) Freiheitsbeschränkungen in Alten- und Pflegeheimen. In der Schweiz erlaubt Art. 383 ZGB einer Wohn- oder Pflegeeinrichtung, die Bewegungsfreiheit einer urteilsunfähigen Person nur unter bestimmten Voraussetzungen einzuschränken, und Art. 384 ZGB verlangt dafür ein Protokoll.
Rechtlicher Hinweis
Dieser Artikel ersetzt keine Beratung zu freiheitsentziehenden oder bewegungseinschränkenden Maßnahmen. Ob eine Maßnahme an einer Tür darunter fällt, klären Sie mit Ihrer Leitung und gegebenenfalls mit Betreuungsgericht, Bewohnervertretung oder Aufsichtsbehörde, nicht mit dem Schildlieferanten. Rettungszeichen und die Kennzeichnung von Fluchtwegen verändern oder verdecken Sie in keinem Fall.
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