Orientierung bei mittelschwerer und fortgeschrittener Demenz
Mit fortschreitender Demenz verändert sich, was jemand zur Orientierung nutzen kann. Dieser Leitfaden zeigt, wie Sie Beschilderung, Sinneshinweise und die Begleitung durch Mitarbeitende anpassen.
Was bei leichter Demenz gut funktioniert, reicht bei mittelschwerer oder fortgeschrittener Demenz oft nicht mehr. Lesen, Bilder deuten, sich an einer Abzweigung entscheiden und sich Wege merken fällt zunehmend schwerer. Die Gestaltung wird dadurch nicht überflüssig. Der Schwerpunkt verschiebt sich aber: weg von Schildern mit viel Information, hin zu Hinweisen aus der Umgebung, Sinneshinweisen und der Begleitung durch Mitarbeitende. Die Unterstützung muss sich mit den Fähigkeiten der Bewohnerin oder des Bewohners verändern.
Wie sich die Orientierung im Verlauf verändert#
Bei leichter Demenz können viele Bewohnerinnen und Bewohner Schilder lesen, Pfeilen folgen und neue Wege durch Wiederholung lernen. Bei mittelschwerer Demenz lässt das Textverständnis nach, vertraute Bilder, Farben und markante Punkte werden aber oft noch erkannt. Bei fortgeschrittener Demenz können auch diese Fähigkeiten abnehmen. Dann gewinnen Sinneshinweise (Geräusche, Gerüche, Tasten, Licht), das Körpergedächtnis für oft gegangene Wege und die direkte Begleitung an Gewicht. Wer weiß, an welchem Punkt dieses Verlaufs eine Person gerade steht, kann die passende Unterstützung anbieten.
So passen Sie die Orientierung an mittelschwere und fortgeschrittene Demenz an:
- Schilder mit viel Text durch große, eindeutige Bilder ersetzen, die den Zweck eines Raums ohne Worte zeigen
- Farbe und Licht als wichtigste Richtungshinweise nutzen, statt sich auf Text und Pfeile zu verlassen
- Mehr Sinneshinweise einsetzen: ein typischer Geruch am Speisesaal, Musik im Wohnzimmer, Tastflächen an der Wand entlang der Wege
- Die Umgebung vereinfachen: weniger optische Unruhe, weniger überzählige Schilder, weniger konkurrierende Reize
- Feste Tagesabläufe mit immer denselben Wegen verbinden, damit sich die Wege durch Wiederholung einprägen
- Mitarbeitende darin schulen, behutsam zu begleiten statt zu dirigieren
- Zimmertüren deutlich persönlich gestalten, mit Farbe, Bild und eigenen Gegenständen, damit das eigene Zimmer hervorsticht
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Weniger Schilder, dafür deutlichere#
Bei fortgeschrittener Demenz können zu viele Schilder genauso verwirren wie zu wenige. Hier hilft schrittweise Vereinfachung: weniger Schilder gleichzeitig im Blickfeld, die verbleibenden größer und kontrastreicher, und mehr Bild als Text. Ein Toilettenschild für eine Bewohnerin oder einen Bewohner mit fortgeschrittener Demenz zeigt am besten ein großes, realistisches Bild einer Toilette mit wenig oder gar keinem Text, auf einer Tür, die sich deutlich von der Wand abhebt. Das Wort „Toilette“ ist nicht nötig, wenn das Bild allein verständlich ist.
Profi-Tipp
Legen Sie für jede Bewohnerin und jeden Bewohner ein kurzes Orientierungsprofil an: was die Person derzeit noch selbst findet, welche Wege sie bevorzugt, welche Hinweise sie nutzt und wo sie Schwierigkeiten hat. Prüfen und aktualisieren Sie das Profil monatlich, damit die Unterstützung mit den veränderten Fähigkeiten Schritt hält.
Die Rolle der Mitarbeitenden#
Bei fortgeschrittener Demenz werden die Mitarbeitenden zur wichtigsten Orientierungshilfe. Auch dann bleibt die Bewohnerin oder der Bewohner die Person, die geht: Gehen Sie neben ihr, nicht voraus. Nennen Sie in Ihren Hinweisen, was zu sehen ist („Gehen wir zum großen Fenster“), und lassen Sie die Person das Tempo bestimmen. Die Umgebung sollte die Begleitung weiter unterstützen. Je mehr sie selbst zeigt, desto weniger muss gesagt werden.
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Für den einzelnen Menschen planen
Die Orientierungshilfen richten sich nach den heutigen Fähigkeiten jeder Bewohnerin und jedes Bewohners, nicht nach einem Schema für alle. Wer mit mittelschwerer Demenz noch lesen kann, braucht keine reinen Bildschilder. Und wer mit fortgeschrittener Demenz keinen Text mehr verarbeitet, sollte nicht von Schildern voller Text umgeben sein.
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