Signage for Care

Orientierung bei Demenz: woher die Gestaltungsleitlinien kommen

7 Min. LesezeitSignage for Care5. November 2026

Ein verständlicher Überblick, woher die Leitlinien für demenzgerechte Orientierung kommen: die Arbeit des DSDC, wie sich die räumliche Orientierung verändert, was Normen zum Kontrast sagen und welche Gestaltungsgrundsätze sich daraus ergeben.

Leitsysteme für die Pflege von Menschen mit Demenz stützen sich auf Arbeiten aus Psychologie, Umweltgestaltung, Ergotherapie und Architektur. Dieser Beitrag gibt einen verständlichen Überblick, woher die Leitlinien kommen und was sie empfehlen. Zwei Hinweise vorab: Wir fassen veröffentlichte Leitlinien zusammen, beziffern keine Wirkungen und schreiben keiner Einrichtung Zahlen zu, deren Quelle wir Ihnen nicht vorlegen können. Und wenn Sie die Primärquelle suchen, lesen Sie die Gestaltungsleitlinien des DSDC selbst, nicht die Zusammenfassung eines Anbieters, auch nicht unsere.

Das DSDC an der Universität Stirling#

Das Dementia Services Development Centre (DSDC) an der Universität Stirling in Schottland beschäftigt sich seit Jahrzehnten mit der Gestaltung von Umgebungen für Menschen mit Demenz. Es veröffentlicht Gestaltungsleitlinien und begutachtet Produkte anhand eigener Gestaltungsgrundsätze, darunter Kontrast und Farbe, vertraute statt institutioneller Gestaltung und Unterstützung beim Sehen. Wie diese Begutachtung abläuft und was eine Bewertung aussagt, erklärt der Beitrag Was bedeutet „nach DSDC 1A akkreditiert“?.

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Zwei Arten, sich zurechtzufinden#

Die Forschung zur räumlichen Orientierung unterscheidet zwei Systeme. Das allozentrische System nutzt eine innere Karte der Umgebung und hängt eng mit dem Hippocampus zusammen. Das egozentrische System orientiert sich an dem, was man gerade vor sich sieht. Bei der Alzheimer-Krankheit ist der Hippocampus früh betroffen, deshalb wird die innere Karte oft früh unsicher, während die Orientierung an sichtbaren Merkmalen länger erhalten bleibt. Daraus erklärt sich, warum demenzgerechte Gestaltung so viel Wert auf sichtbare Orientierungspunkte und klare Hinweise in der unmittelbaren Umgebung legt.

Gestaltungsgrundsätze, die sich daraus ergeben:

  • Ein realistisches, fotografisches Bild auf dem Schild ist leichter zu erkennen als ein abstraktes Piktogramm
  • Eine einheitliche Gestaltung im ganzen Haus ist schneller zu lesen als ein Durcheinander verschiedener Schilder
  • Die Orientierung an Landmarken bleibt länger erhalten als die an einer inneren Karte; das spricht für markante Orientierungspunkte
  • Ein zweiter Sinneskanal, ob fühlbar, hörbar oder unter den Füßen, sorgt dafür, dass nicht alles am Sehen hängt
  • Lichtstärke und Lichtqualität am Schild entscheiden, ob der geplante Kontrast im Alltag bestehen bleibt
  • Farbe ergänzt die Beschriftung, ersetzt sie aber nicht; eine Farbe lässt sich wiedererkennen, ohne dass man liest
  • Ein schriftlich festgehaltenes Orientierungskonzept macht ein Leitsystem einheitlich, ausschreibbar und pflegbar

Kontrast: was die Normen sagen#

Mit dem Alter lässt die Kontrastempfindlichkeit nach, und eine Demenz kann das Erkennen von Farb- und Helligkeitsunterschieden zusätzlich erschweren. Was für jüngere Menschen deutlich verschieden aussieht, kann für Bewohnerinnen und Bewohner kaum zu unterscheiden sein. In Deutschland beschreibt DIN 32975:2009-12 „Gestaltung visueller Informationen im öffentlichen Raum zur barrierefreien Nutzung“ (Beschreibung bei nullbarriere.de), wie Kontrast, Beleuchtung und Schriftgröße visueller Informationen zu bemessen sind; sie misst Kontrast als Leuchtdichtekontrast. In Österreich ist es ÖNORM B 1600:2023-05-01 „Barrierefreies Bauen – Planungsgrundlagen“ (Austrian Standards), in der Schweiz SIA 500:2009 „Hindernisfreie Bauten“ (SIA). Was diese Normen im Einzelnen verlangen, entnehmen Sie dem Normtext. Wie Sie Kontrast am Schild planen, zeigt der Beitrag Farbe und Kontrast.

Wo die Praxis weiterdenkt#

Neben Schildern rücken weitere Teile der Umgebung in den Blick: wie gut das Licht Farben wiedergibt und nicht nur wie hell es ist, wie Klang und Akustik eines Raums bei der Orientierung helfen können, und welche fühlbaren Merkmale ein Leitsystem ergänzen. Für Ihre Planung heißt das: Schilder sind ein Baustein, Licht, Farbe und Raumgestaltung gehören dazu. Mehr dazu unter Beleuchtung und Orientierung.

Profi-Tipp

Wenn Sie intern für ein Leitsystem werben, nennen Sie die Leitlinien und Normen, nach denen Sie planen, etwa die Gestaltungsleitlinien des DSDC oder DIN 32975 mit Ausgabe, statt eine Prozentzahl zu zitieren. Ein Vorschlag, den man nachprüfen kann, überzeugt Geschäftsführung und Träger mehr als eine Zahl ohne Quelle, und eine Zahl ohne Quelle provoziert genau die Frage, die Sie nicht hören wollen.

Für die Praxis

Zwischen veröffentlichten Leitlinien und dem, was an den Türen hängt, liegt oft noch viel. Kontrastarme Schilder, abstrakte Symbole, uneinheitliche Montage und reine Textschilder sind verbreitet. Um das zu ändern, brauchen Sie keine Technik und keine Beratung, sondern einen Rundgang, eine Türliste und einen Beschilderungsplan nach den Leitlinien, die es schon gibt.

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    Orientierung bei Demenz: Forschung und Leitlinien